Willkommen in Unterschlauersbach

- erstmals urkundlich erwähnt 1124 n. Chr. - 

Fliegerhorst U-bach im 2. Weltkrieg

 

Mit der Geschichte des Fliegerhorstes Unterschlauers­bach hat sich jüngst (1985) die Schülerin Christiane Schei­derer aus Dietenhofen in einer Examensarbeit beschäf­tigt. Zur Verfügung stand uns ferner ein Erlebnisbericht des Großhabersdorfer Johann Sebastian Haas sowie Ak­ten des Gemeindearchivs Großhabersdorf.

Der Fliegerhorst Unterschlauersbach (geheime Be­zeichnung U-Bach) wurde beginnend von 1934 angelegt und war bis 1945 in Gebrauch. Er befand sich auf der nördlich von Großhabersdorf gelegenen Hochebene, zwi­schen den Ortschaften Großhabersdorf, Homsegen, Oberreichenbach, Unterschlauersbach und Seubersdorf. Dieses Gelände bot sich für einen geheimen Militärstütz­punkt an, da es sich in einem mit Wald durchsetzten Ge­biet befand und der Flugplatz nur aus einer Flughöhe von etwa 1000 m als solcher identifiziert werden konnte. Die Flugzeuge, die gewöhnlich am Waldesrand verborgen wa­ren, konnte man nur aus geringer Flughöhe sehen.

Das Gelände wurde den Besitzern enteignet. Sie erhiel­ten dafür allerdings eine überdurchschnittliche Pacht. Für einige Bauemfamilien, die den Großteil ihrer Äcker hier hatten, war es trotzdem ein harter Schlag. Da man keine betonierten Start- und Landepisten anlegte, wurde das Gras des Flugplatzes gemäht und reihum an die Bauern der umliegenden Dörfer verteilt.

Nach einer ,,Nachweisung über die jährliche Gesamt­miete~' von 1935 waren von der Enteignung betroffen: 17 Landwirte und die Pfarrpfründstiftung aus Großhabers­dorf, 6 Familien aus Hornsegen, 10 aus Unterschlauers­bach und 10 aus Oberreichenbach. Die jährliche Miete er­gab für Großhabersdorf 5.562 RM, für Homsegen 6.514 RM, für Unterschlauersbach 3.893 RM, für Oberreichen­bach 2.658 RM. Daraus ist ersichtlich, daß die landwirt­schaftlichen Betriebe aus Homsegen am stärksten von der Enteignung betroffen waren.

Der Fliegerhorst Unterschlauersbach hat zeit seines Bestehens hauptsächlich zur Ausbildung von Piloten ge­dient und in der letzten Phase des Krieges auch zur fliege­rischen Fertigungskontrolle einiger Flugzeuge, wie zum Beispiel der Flugzeuge vom Typ Messerschmitt Mc 262.

Der Flugplatz erforderte eine Reihe von Bauten. Das Gelände mußte eingeebnet und entwässert werden. Die Mannschaften mußten untergebracht werden, fürVerwal­tung und Unterstellung der Flugzeuge Platz geschaffen werden. Auch neue Zufahrtsstraßen erwiesen sich als not­wendig. So entstand 1937 die heutige Homsegener Straße. Ebenso wurde der Oberreichenbacher Weg ausge­baut. Sie bestehen heute noch in ihrem ursprünglichen Zustand.

Es waren so bis Ende des Krieges um den Flugplatz eine Reihe von Bauten errichtet worden: etwa 20 Barak­ken auf Betonfundamenten mit Backsteinmauern, die als Unterkünfte für hier stationierte Einheiten dienten, eine Kantine, ein Kino, eine Ärztebaracke, Geräte- und Fahr­zeugbaracken, Benzinlager, Tankstellen, eine Funk- und Telefonzentrale, Hangars für Flieger, Bunker, Unterstände für Flakgeschütze, Munitionslager, Werften wie beispielsweise die Biegelswerft oberhalb der Stammes-mühle.

Der Badeweiher am Westrand von Großhabersdorf wurde zu einem Löschwasserbecken ausbetoniert, um zum Löschen von eventuellen Bränden auf dem Flugplatz zur Verfügung zu stehen. Die Großhabersdorfer erhielten auf diese Art ein ,,Freibad~~. Das heutige geflieste Freibad hat Größe und Form des alten Beckens behalten. Der Bahnhof von Großhabersdorf wurde mit 4 Abstellgleisen ausgebaut, denn die Belieferung des Flugplatzes erfolgte hauptsächlich per Bahn.

Für die Nachtflüge wurden große beleuchtete Blink­und Anfluganlagen gebaut, ebenso Scheinwerferstellun­gen um den ganzen Platz. Alle Bauten des Flugplatzes wurden gegen Ende des Krieges durch Bombenangriffe sowie durch Sprengungen der sich absetzenden deutschen Einheiten zerstört. Davon sind bloß einige Ruinen, Be­tonklötze und Fundamente übriggeblieben. Heute stehen auf dem Platz des früheren Barackengeländes Wochen­endgärten, deren Häuschen zum Teil auf alten Betonfun­damenten ruhen.

Viele Großhabersdorfer haben bei den Arbeiten auf dem Flughafen Arbeit gefunden. Dazu gehörten auch Lohnfahrten mit Pferdegespannen. Während der Kriegs-zeit sind auch Fremdarbeiter aus den von Deutschen be­setzten Gebieten verpflichtet worden. Geflüchtete Let­ten, die 1944 in einem Barackenlager am Wolfgraben un­tergebracht waren, wurden desgleichen eingesetzt. Zu­dem waren auf dem Flugplatz auswärtige Facharbeiter be­schäftigt. Einige der ehemaligen Usehbacher sind nach Kriegsende in Großhabersdorf ansässig geworden.

Der Flugzeugbetrieb brachte jedenfalls Bewegung in die umliegenden Ortschaften. Der Flugplatz selbst war natürlich strengstens abgeschirmt und konnte nur mit Ausweis betreten werden.

Der Flugplatz U-Bach gehörte zu einer Gruppe von Fliegerhorsten (Illesheim, Herzogenaurach, Bayreuth, Ansbach, Fürth-Atzenhof, Roth) und E-(Einsatz-)Häfen (Oberscheckenbach, Buchschwabach), die in den Jahren 1935-1939   neben dem Verkehrsflugplatz Nürnberg und dem Firmenplatz Fürth-Annaberg ausgebaut wurden. Der Fliegerhorst U-Bach scheint zur Flugzeugschule Roth gehört zu haben. Er bildete Piloten auf zweimotori­gen Flugzeugen aus. Die ausgebildeten Flugzeugführer kamen dann zu den Kampf-, Fernaufklärungs- oder Transporteinheiten der Luftwaffe. Nach 1943 sind gele­gentlich auch Jagdflugzeugpiloten hier ausgebildet, oder Piloten für Düsenjäger hier umgeschult worden. Wäh­rend der Schulungs- und Übungsflüge kam es zu Unfällen und Abstürzen. Ein Großteil der Verunglückten ist auf dem Großhabersdorfer Friedhof beigesetzt worden.

Der Flugplatz ist vor dem Einmarsch der Amerikaner zweimal sehr stark bombardiert worden. Am 4. April 1945 wurde der gesamte Flugplatz innerhalb einer halben Stunde durch amerikanische Bomber zerstört. Versteckte Flugzeuge wurden in Brand geschossen oder durch Split­terbomben zerstört. Als der Angriff vorüber war, zählte man etwa 300 Bombenkrater.

Am 8. April erfolgte ein zweiter Angriff, bei dem auch Seubersdorf stark getroffen wurde. Damit hörte prak­tisch der Betrieb auf. Als eine Woche später der Einzug der Amerikaner bevorstand, wurden alle Gebäude und Bauten gesprengt.

,,Wenn der Flugplatz das große Bombardement im April 1945 überstanden hätte, wäre sein Fortbestand wahrschein­lich gesichert gewesen~" schreibt Christiane Scheiderer in ihrer eingangs erwähnten Arbeit. Es bestanden nämlich seitens der Amerikaner Pläne, den Fliegerhorst zu erhal­ten und sogar über die Ortschaften Homsegen und Ober­reichenbach hinaus auszubauen. Die Bewohner beider Orte sollten umgesiedelt und entschädigt werden.

Die gewesenen Eigentümer des Feldes vereitelten je­doch jedwelche Pläne dieser Art. Nach Kriegsende be­setzten sie das landwirtschaftliche Nutzland und bebau­ten es. Sie lehnten jede Verhandlung über eine Abgabe des Geländes einstimmig ab und ließen nicht einmal über die Errichtung eines Segelflugplatzes des AERO-Clubs Fürth mit sich reden. Heute überqueren zwei Hochspan­nungsleitungen das Plateau, und die gutbestellten Äcker verraten nichts von dem einstigen Treiben. Der Flieger­horst U-Bach bleibt also bloß eine Episode in der Groß­habersdorfer Geschichte.